Prävention und Nulltoleranz

Die Pilotstudie der Universität Zürich vom September 2023 zum sexuellen Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts wirft nach wie vor hohe Wellen. Wie geht die Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt mit den Missständen und dem damit verbundenen menschlichen Leid von Missbrauchsopfern und ihren Angehörigen um? Welche vorbeugenden Massnahmen ergreift sie gegen Übergriffe in den eigenen Reihen? Die Chronik.

Offener Brief an die «Menschen in Basel-Stadt»

Im Oktober 2023 wendet sich die RKK BS in einem offenen Brief an die «Menschen in Basel-Stadt». Der Brief wird auch in den beiden grossen regionalen Tageszeitungen veröffentlicht.

Aus dem offenen Brief: «Wir sind traurig und betroffen, dass auch in jüngerer Vergangenheit unsere kirchlichen Verantwortungsträger nicht alles unternommen haben, um Missbrauch zu verhindern und Vergehen offen zu legen.» 

Die Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt hält fest und fordert:

  • Wir stehen für eine lückenlose Aufdeckung aller Fälle ein.
  • Wir wirken weiterhin aktiv dabei mit, das Geschehene aufzuarbeiten, direkt oder indirekt Betroffene (verlinken zu Anlaufstelle s. unten) zu hören, ihnen bestmöglich zu helfen und die Verantwortlichen zu bestrafen.
  • Wir erwarten eine Beurteilung der Fälle und der Täter durch eine Instanz auch ausserhalb der katholischen Kirche.
  • Wir setzen uns dafür ein, dass neben konsequenter strafrechtlicher Verfolgung zusätzliche Massnahmen in der Kirche geprüft werden müssen.

«Weisung» für Mitarbeitende der katholischen Kirche

Alle Mitarbeitenden der RKK haben eine «Weisung zur Umsetzung der Präventionsrichtlinien des Bistums Basel» (verlinken) erhalten. Sie wurde auch den Pfarreiratspräsidien und den Mitgliedern der Synode (Kirchenparlament) zur Kenntnis geschickt.

Das sind die fünf Punkte der Weisung:

  • Strafregisterauszug (wird alle drei Jahre erneuert)
  • Selbstverpflichtungserklärung
  • Weiterbildungen (obligatorisch)
  • Krisenmanagement
  • Qualitätskontrolle

Workshops, Mitarbeitendengespräche und eine Arbeitsgruppe

Ausserdem bietet die RKK Workshops für die Pfarreien, für die Mitarbeitenden (seit Mai 2022) und für die Synodalen zum professionellen Umgang mit Macht an.

Es werden regelmässig Mitarbeitendengespräche durchgeführt, in denen ihr Umgang und ihre Beobachtungen zum Thema Nähe und Distanz besprochen werden.

Und eine Arbeitsgruppe mit dem Präventionsbeauftragten Martin Föhn ist ins Leben gerufen worden für weitere Angebote und Aktivitäten zum Thema, die auf allen Ebenen innerhalb der katholischen Kirche in Basel-Stadt stattfinden sollen.

Nulltoleranz gegenüber Grenzüberschreitungen

«Auf der einen Seite geht es um den Schutz von Betroffenen und darum, Schutzkonzepte zu erarbeiten und einzuhalten, damit Missbrauch in jedem Fall verhindert wird», fasst Martin Föhn zusammen.

«In den Weiterbildungen geht es um Selbst- und Fremdwahrnehmung, um Integrität und Beziehungsfähigkeit, um gegenseitigen Respekt und um Selbstreflexion. Nähe und Distanz erleben nicht alle Menschen gleich. Was die einen als Grenzüberschreitung und als verletzend empfinden, kann für andere Wertschätzung und Zuwendung bedeuten.»

«Dennoch gibt es klare Grenzüberschreitungen, denen wir mit Nulltoleranz begegnen müssen», sagt der Präventionsbeauftragte der RKK BS, Martin Föhn.

Prävention, Intervention, Aufarbeitung

Für eine konsequentes, wirksames und nachhaltiges Handeln für Fairplay und gegen sexuelle Übergriffe im Kontext Kirche orientiert sich die RKK BS grundsätzlich an den «Richtlinien der Schweizer Bischofskonferenz und der Vereinigung der Höheren Ordensobern der Schweiz betreffend die Ausrichtung von Genugtuungsbeiträgen an Opfer von verjährten sexuellen Übergriffen im kirchlichen Umfeld».

Die Richtlinien basieren auf drei Massnahmenbündeln:

Anfang Februar 2024 hat der Kirchenrat der Römisch-Katholischen Kirche RKK Basel-Stadt das leicht überarbeitete Schutzkonzept des Bistums Basel zur Prävention und Intervention betreffs sexueller Übergriffe im kirchlichen Umfeld gutgeheissen. >>> Zum aktualisierten Schutzkonzept

Kontakte und Anlaufstellen

Kontakt RKK BS: Martin Föhn SJ, Präventionsbeauftragter, martin.foehn(a)rkk-bs.ch

Übergriff – was tun? Kontakte hier