«Im Wohnheim an der Herbergsgasse 7 wird ab September 2025 eine Etage mit 7 Zimmern als christliche WG geführt. Die Studierenden stellen sich Lebensfragen und entdecken und vertiefen den Schatz des christlichen Glaubens. Sie setzten sich mit der Frage nach Gott als Orientierungspunkt und sinnspendender Quelle auseinander. Die Teilnehmenden lernen, im konkreten und reflektierten Zusammenleben «Menschen für andere zu werden». Das Angebot richtet sich an Studierende der Uni und der FHNW, die am christlichen Glauben unabhängig von ihrer Konfession interessiert sind.»
So lautete im Januar 2025 die Werbung für die christliche WG in der Katholischen Hochschulgemeinde. Jetzt, im Sommer 2026 gibt es die WG bereits seit neun Monaten und ein Besuch bei den jungen Menschen, die dort zusammenleben und dieses Zusammenleben bewusst in einen christlichen Kontext stellen zeigt, wie das funktioniert.
Um den gedeckten Tisch sitzen von links nach rechts: Andreas Schalbetter SJ, älter als die anderen, wie er verschmitzt bemerkt. Der Seelsorger für Studierende entwarf gemeinsam mit Schwester Barbara Haefele sa, die Idee zur Wohngemeinschaft. Nun begleitet er sie, Sr. Barbara ist seit Herbst 2025 für ihre Ordensgemeinschaft in Paris. Dann sitzen da Ljubica, sie ist 24 Jahre alt und studiert Operngesang im zweiten Jahr, und Gabrijel, 23-jährig, der an der ETH Zürich DataScience studiert. Die beiden kommen aus Kroatien. Dann folgt der Basler Raphael, 25 Jahre alt und an der Medizinischen Fakultät eingeschrieben. Rechts neben ihm sitzt Roma aus Pakistan. Sie zählt 26 Jahre und studiert DataScience an der Uni Basel. Dort ist auch Aiga zu finden, 22 aus Luzern, Studentin der Informatik. Den Abschluss der Runde macht der Inder Samuel, 25 Jahre alt und im Doktoratsstudium der Computational Biology.
Was schon bei der Vorstellungsrunde auffällt: Es ist eine humorvolle Gruppe, die sich da gefunden hat und es spielt auch ein gemeinsamer Humor, den sie in den wenigen Monaten bereits entwickelt haben. Die Atmosphäre ist locker, gemeinsame Sprache ist Englisch, das Ringen um Vokabeln jeweils eine heitere Angelegenheit.
Nach der Vorstellung folgen die Fragen und da stellt sich – wenig überraschend – heraus, dass sich diese WG in den grundsätzlichen Themen wenig von anderen Wohngemeinschaften unterscheidet. Zwar werden die Gemeinschaftsräume wie Küche, Bad und Wohnzimmer durch eine Reinigungskraft vom Haus gesäubert, doch darüber hinaus putzt jede und jede und jeder das eigene Zimmer, kümmert sich um sein Essen und trägt Sorge zu allem. Aber, so heisst es schon bald, es gebe viele Zeiten, wo sie gemeinsam essen und auch sonst würden sie sich wahrscheinlich häufiger treffen als Bewohner:innen in anderen WGs.
Denn das sind zum Beispiel die Gebete – vor und nach dem Essen, jeden zweiten Dienstag ein klassisches Rosenkranzgebet oder eine Schriftbetrachtung auf dem Fundament ignatianischer Spiritualität. Die Kirche, so sagt jemand am Tisch, habe sich in den letzten zwanzig, dreissig Jahren stark verändert, heute Christ oder Christin zu sein gleiche einer Entdeckungsreise. Jeden Mittwoch treffen sie sich zudem und unterhalten sich über ein Thema, das ein oder zwei Mitbewohnende vorab aussuchen und dann vorstellen. Es gibt ein Schwerpunktthema im Jahr, Abende dazu. Die WG lädt externe Professor:innen dazu ein und führt mit ihnen Diskussionen. Alle zwei bis drei Monate gibt es ausserhalb Basels ein längeres Treffen. Das braucht eine gewisse Selbst-Verpflichtung und Verbindlichkeit. Es sei nicht immer einfach, sich jeden Mittwoch zu treffen, besonders wenn an den Universitäten gerade auch noch Prüfungszeiten sind, doch jedes Mal würden sich alle besser fühlen und wieder in guter Verbindung als Gemeinschaft. Es sei eine Erleichterung sich während des normalen Alltagsstresses mal auf etwas anderes zu fokussieren. Es kläre den Geist.
Stellt sich die Frage, wie gross das Interesse an dieser Art Zusammenleben ist. Aktuell hat die WG noch ein freies Zimmer. Wie in jeder Wohngemeinschaft sonst auch, werden Bewerber: innen gut geprüft. «Wir wollen junge Menschen finden, die wirklich bereit sind, selbst und im Glauben zu wachsen und zwar in einer Gemeinschaft», sagt jemand. Zum Bewerbungsverfahren gehören Interviews, sei es vor Ort oder per Onlinemeeting. Ljubica und Gabrijel haben diese «Hürde» genommen. Es sei wichtig, dass man die Menschen trifft, sie wahrnimmt. Nicht nur, ob sie vom Alter her passen, sondern auch, ob sie offen und ehrlich sind. Samuel sitzt als Sprecher der WG-Bewohner: innen in der Auswahlkommission, «als einziger Reformierter», wie seine Mitbewohner: innen augenzwinkernd bemerken. Dazu kommen Andreas Schalbetter SJ als geistlicher Begleiter der WG und Cornelia Jansen als Leiterin des Wohnheims.
Die sind unterschiedlich. Während beispielsweise die Familie von Roma in Pakistan froh war, dass ihre Tochter in guten Händen ist und eine Tante so interessiert war, dass sie immer wieder zu Besuch kommt, erlebt Gabrijel an der ETH gemischte Reaktionen. Neugierig seien die Leute. Als Katholik an der eher linken ETH erlebe er von Abwehr hin bis zu Menschen, die mehr hören wollen, die ganze Bandbreite. Auf die Frage, ob sie es bisher bereut hätten, in diese explizit christliche WG zu ziehen, schütteln sie alle vehement den Kopf: Aiga, Raphael, Samuel, Roma, Ljubica und Gabrijel.
Text und Fotos: Anne Burgmer, Kommunikatin RKK BS | 26. Juni 2026