Der letzte Tag mit Programm bricht an. Einige stehen den dritten Tag in Reihe früh auf und feiern mit Kardinal Kurt Koch die Messe. Spätestens um 9 Uhr treffen sich jedoch nahezu alle vor der Casa Bonus Pastor. Gelegenheit für ein Gruppenfoto.
Es ist Regen angesagt und dann «liegt auch noch der Bus darnieder». Die Batterie hat sich entleert, Ersatz muss her und das Programm wird umgestellt. Alle gehen erst nach Sankt Paul vor den Mauern. Später soll der Bus dann nach der Reparatur dort diejenigen abholen, die Castel Gandolfo besuchen wollen. Die anderen machen sich – mit sehenswerten Zwischenstopps – auf den Weg nach Trastevere.
Doch zunächst Sankt Paul vor den Mauern. Nicht nur das Grab, auch die vielen Papstporträts in den runden Medaillons rufen in Erinnerung, wie lang es das Christentum gibt. Weil man nicht wusste, wie die ersten Päpste aussahen, sehen sie sich lange sehr ähnlich. «Antike Avatare», sagt eine, «es gibt nichts Neues unter der Sonne», ergänzt eine andere.
Früh raus, um «Schlange-stehen» zu vermeiden, ist auch am 3. Tag der Reise Programm. Ein bisschen Anstehen für die Generalaudienz am Aschermittwoch muss dann aber doch sein. An den Plätzen angekommen, heisst es weiterhin warten. Im Schatten ist es frisch
Irgendwann ist es so weit und es beginnt ein Ritual, dass eine eigene Schönheit hat: Nacheinander werden in verschiedenen Sprachen die anwesenden Gruppen aus aller Welt begrüsst. Italienisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Chinesisch, Arabisch und Polnisch. Doch nicht nur das Land wird genannt, sondern wenn angemeldet, auch die Stadt und Institution/Organisation der Anwesenden Pilger:innen. Und so wandert ein erstes Mal Jubel und Applaus über den riesigen Platz. Besonders die jungen Menschen quittieren die Nennungen mit lautem Gejuchze. Und natürlich jubeln auch wir, als die Gruppe aus dem Pastoralraum Basel-Stadt begrüsst wird. Der zweite Jubel brandet auf, als Papst Leo XIV. dann mit dem Papamobil alle Wege zwischen den Gläubigen abfährt. Man hört, wo er ist, denn der Jubel wandert mit ihm. «Wie ein Popstar», sagt jemand in der Nähe.
Zur Katechese wird es ruhig auf dem Platz. Der Papst spricht über Lumen Gentium, alles wird, leicht zusammengefasst, erneut in die verschiedenen Sprachen übersetzt. Möglichst alle sollen verstehen, worum es geht. Den Abschluss bildet das gemeinsam auf Latein gesungene Vater unser und der Segen. Die Basler Gruppe gestaltet den Tag dann je unterschiedlich. Einige besuchten Kardinal Kurt Koch, andere das Kolosseum oder andere Teile Roms. Am Abend feierten wir Gottesdienst mit Ascheausteilung und der Erinnerung «bedenke Mensch, dass Du sterblich bist».
Wer die Katechese nachhören will, findet sie hier: Papst bei Generalaudienz: Die Kirche als Antwort auf eine zersplitterte Welt - Vatican News
Elena ist neun Jahre jung und kommt aus Gelterkinden. Ursula zählt 71 Jahre und ist in der Pfarrei Heiliggeist als Katechetin aktiv. Beide waren heute ganz oben, nah beim Himmel und ganz tief unten in der christlichen Vergangenheit.
Sehr früh ging es raus, um die Wartezeit für den Besuch der Kuppel des Petersdoms so kurz wie möglich zu halten. Der Blick über Rom war atemberaubend. Die Reise, so erzählt Ursula, ist ein Geschenk für ihre Enkelin zur Erstkommunion. Die Fahrt macht Elena sichtlich Spass, was sie sieht und erlebt, gefällt ihr. Sie fotografiert Möwen, stellt Fragen und sagt bei der Pause nach dem Kuppelabstieg: «Ich habe alle Stufen gezählt». Tatsächlich war sie konzentriert, sie hat nur 10 Stufen zu viel als Ergebnis.
Ein Wahlprogramm für den Nachmittag, an dem die beiden teilnehmen, war der Besuch der Katakomben St. Callisto. Also ein Abstieg in die Tiefe. «Beides ist toll gewesen. Die Kuppel und die Gräber. Aber die Katakomben waren ein bisschen gruselig», zieht Elena ihr Fazit, um dann festzustellen, «in der Mitte war ich ja übrigens auch!» Recht hat sie: In der Mitte zwischen der Kuppel in der Höhe und den alten christlichen Gräbern in bis zu 30 Metern Tiefe ist der Boden, auf dem wir auch unterwegs waren und der uns sicher trägt.
Der erste Tag der Pastoralraumreise ist praktisch vorbei. Das Programm war dicht: Der Besuch der Schweizer Garde mit anschliessendem Apéro, dann weiter nach Santa Maria Maggiore. Besuch am Grab Franziskus. Dann teilt sich die grosse Gruppe in kleine – Lateranbasilika und Scala Sancta die einen, die anderen Spanische Treppe, Espresso und «go lädele».
Am Abend beim Znacht die Tischumfrage, wie der erste Tag so ankam. Gut, sagen alle Sechs. Zwar sei San Clemente wegen Renovation innen eingerüstet und das Mithräum nur noch mit vorheriger Anmeldung zu besichtigen, doch es wird mit Gelassenheit erzählt. Am Tisch sitzen per Zufall nur Teilnehmende, die in Baselland leben. Per Zufall haben sie von der Reise erfahren, ein Paar gehört zur portugiesischen Mission und hat es beim Gottesdienst in St. Joseph gehört.
Die Stimmung am Tisch ist heiter und gelöst, schnell entspinnt sich ein Gespräch: Mit 23 Jahren Abstand haben zwei der Frauen eine Schweizerin und die Portugiesin im gleichen Haus in Birsfelden gewohnt, sie kennen dieselben Menschen. Gemeinsamkeiten werden offenbar trotz aller Unterschiede. Ein schönes Gleichnis für’s katholisch-sein – es geht um das Verbindende und nicht das Trennende, um Gemeinschaft in Verschiedenheit, um das Heilige im Alltag. Daheim in Basel und hier in Rom. (Anne Burgmer, Kommunikation RKK BS)